FIuG 2008, Schäfer, Arbeiterbewegungen
Mit dem Appell »Parteigenossen, gedenket der Gemaßregelten!« riefen sozialdemokratische Zeitungen in den Jahren nach der Reichsgründung immer wieder zur Unterstützung für verurteilte oder entlassene Sozialdemokraten auf. Dieses Buch analysiert das Vorgehen der staatlichen Instanzen gegen die frühe Arbeiterbewegung im westlichen Teil des Ruhrgebiets in den drei Jahrzehnten zwischen der Revolution von 1848/49 und dem Sozialistengesetz von 1878. Es werden die Strategien aufgezeigt, mit denen staatliche und kommunale Amtsträger und Institutionen den Arbeiterorganisationen im Zentrum der Industrialisierung begegnet sind. Bei den Vertretern der verschiedenen Verwaltungsebenen herrschte oft Uneinigkeit über den richtigen Weg im Umgang mit den neuen Vereinen, Parteien und Arbeitskämpfen. Diesen Meinungsverschiedenheiten geht dieses Buch ebenso nach wie dem Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft in ihrer Auseinandersetzung mit der Arbeiterbewegung. Die Rolle der preußischen Justiz beim Vorgehen gegen organisierte und nicht organisierte Arbeiter, die für ihre sozialen und politischen Rechte kämpften, erfährt eine besondere Beachtung. Die detailreiche Untersuchung liefert Antworten, wieso die Arbeiterorganisationen in ihren Anfangsjahren in der einstigen Region von Kohle und Stahl nicht über kurzfristige Achtungserfolge hinausgekommen sind.