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NTJ 2006; Hacker, Nationalbewußtsein Der Verfasser stellt im Titel seines Buches eine mutige Frage, die er noch dadurch erschwert, daß er – zumindest auf den ersten Blick – lediglich die Jahre 1815 bis 1856 herausgreift. Er breitet eine Fülle von Fakten und Taten heraus. Auffallend ist, daß er ein „Nationalbewußtsein“ (wenn auch mit Fragezeichen) voraussetzt. Er kommt damit in eine gewisse Kollision zu der Bezeichnung der großen Ausstellung, die 1989 unter der Nennung „De l’état à la Nation“ – „Vom Staat zur Nation“ – „150 Joer onofhängeg“ stattfand und in einem umfangreichen Katalog dokumentiert wurde. Daraus kann man schließen, daß die Überlegungen von Hacker nicht apodiktisch zu verstehen sind und eher einen (wertvollen!) Beitrag zur Geschichte des Großherzogtums Luxemburgs darstellen. Richtig ist, daß sich während der mittleren Jahre des 19. Jahrhunderts ein luxemburgisches Nationalbewußtsein entwickelte. Wann und unter welchen Umständen dies entstand, zeigt die vom Verfasser dargelegte politische Geschichte der Jahre 1815 bis 1856. Als Beispiele mögen hier zwei „trierische“ Ereignisse dienen, die der Autor nicht im einzelnen behandelt, die aber für die damaligen Verhältnisse symptomatisch waren: Als der holländische König Wilhelm III. den Thron bestieg und damit auch Großherzog von Luxemburg wurde, ernannte er im Jahre 1850 seinen Bruder Prinz Heinrich zu seinem Statthalter in Luxemburg. Dieser entwickelte eine besondere Sympathie zur Stadt Trier. Er weilte oft und gerne hier. Als König Friedrich-Wilhelm IV. von Preußen 1856 die römische Palastaula in Trier der evangelischen Gemeinde als Gotteshaus übertrug, nahm Prinz Heinrich an der Feier teil. Auch die Eisenbahn fand sein besonderes Interesse. So setzte er sich für den Ausbau der Strecke Luxemburg–Trier ein, die 1860 eröffnet wurde. Als der damalige Oberbürgermeister Wilhelm Haw im Jahre 1862 starb, erwarb Prinz Heinrich das Haw gehörende Weißhaus. Er ließ das umgebende Gelände gärtnerisch gestalten und gab das gesamte Gelände den Trierern zur Benutzung frei. So wundert es nicht, daß die Stadtverordneten­versammlung Trier dem Prinzen Heinrich am 29. April 1865 das Ehrenbürgerrecht verlieh. Der belgische Nationalkongreß beschloß am 18. November 1830, daß Belgien künftig eine konstitutionelle Monarchie sein sollte, und bestätigte die Unabhängigkeit des Landes. Die Unruhen um das Jahr 1830 mit den Diskussionen zu neuen Grenzziehungen hatten auch ihre Auswirkungen im Trierer Raum. Man erwartete den Ausbruch eines Krieges und meinte preußischerseits, daß sich Preußen nicht auf die Rheinländer verlassen könne. Der spätere Schwager von Karl Marx, Ferdinand v. Westphalen, bezeichnete damals das Rheinland als ein „schon gleichsam preisgegebenes Land“. Der ehemalige kurfürstliche Hofrat Damian Cardon schrieb zur preußischen Herrschaft: „Für Trier besorge ich, daß es auf jeden Fall ein erbarmungswürdiger Ort werde.“ Für Luxemburg hätte das gleiche gegolten. Ein weiterer Schwerpunkt der Darstellungen von Hacker sind die Gescheh­nisse des Revolutionsjahres 1848. Im Zusam­menhang mit Haushaltsberatungen wollte man auch Einsparungen bei kirchlichen Einrichtungen vornehmen, wozu die Möglichkeit des Anschlusses an die Diözese Trier erwogen wurde. Jedoch konnte es nicht sein – wie Hacker schreibt –, daß es alternativ um den Anschluß an das „Erzbistum“ Trier ging. Ein solches Bistum gab es spätestens seit 1812 nicht mehr. Die trierische Kirche wird seitdem von einem Bischof geleitet. Als Ergebnis der Darstellungen des Verfassers mag aus dessen Schlußwort zitiert werden: Statt auf mögliche „Wieder­vereinigungen“ hinzuarbeiten begannen die Luxemburg schließlich sich in ihrem eigenen Land einzurichten. Nicht von ungefähr konnte viele Jahre später (1989) die oben zitierte Festschrift zur Feier der Unabhängigkeit (150 Jahre!) „Vom Staat zur Nation“ benannt werden.
26.11.2012 ROOT Rezensionen
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