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Buchvorstellung, 14. Arye Maimon-Vortrag

Erstellt am 02.11.2011 Kategorie: Aktuell

Shalev-Eyni, Kunst als Geschichte. Zur Buchmalerei hebräischer Handschriften aus dem BodenseeraumAm 2. November 2011 fand der 14. Arye Maimon Vortrag an der Universität Trier statt. Gleichzeitig wurde der Jahresband 2010 mit dem letztjährigen Vortrag präsentiert.

Sarit Shalev-Eyni, Kunst als Geschichte. Zur Buchmalerei hebräischer Handschriften aus dem Bodenseeraum. 13. Arye Maimon-Vortrag an der Universität Trier, 3. November 2010, Trier 2011 (Arye Maimon-Institut für Geschichte der Juden. Studien und Texte 3)

Den 14. Arye Maimon-Vortrag hielt Prof. Dr. Fritz Peter Knapp, Heidelberg, zum Thema Geistige Auseinandersetzungen von Christen mit jüdischem Gedankengut im mittelalterlichen Herzogtum Österreich.

In der jüdischen Welt von Aschkenas steht das mittelalterliche Herzogtum Österreich an Bedeutung den rheinischen Zentren Speyer, Worms, Mainz zwar nach, es beerbt diese jedoch teilweise als eine Art Rückzugsgebiet im Hoch- und Spätmittelalter. Hier dürfte auch der Gedankenaustausch mit der nichtjüdischen Mehrheitsbevölkerung lange Zeit besonders ungestört und fruchtbar gewesen sein, was sich in Entlehnung mündlichen Erzählguts niederschlägt.

Gerade im Herzogtum Österreich wird aber auch schon seit ca. 1260 die christliche Polemik gegen den Talmud vehement aufgegriffen, zur gefährlichen Waffe aber erst durch die Übersetzung für Laien ins Deutsche durch den sogenannten Österreichischen Bibelübersetzer. Die Verteufelung der Juden als Ketzer ist am ehesten als Widerstand der Laienfrömmigkeit gegen das relativ friedliche Zusammenleben von Christen und Juden im 13./14. Jahrhundert zu verstehen. Nach der Gründung der Universität Wien wird von dem großen Theologen Heinrich von Langenstein sogar der Gedanke des Religionsgesprächs und der freiwilligen, friedlichen Bekehrung wieder ins Spiel gebracht, ehe sich die herzogliche Politik – aus welchen Gründen immer – der Volksverhetzung anpasst. Nach der sog. »Wiener Gesera«, der schweren Verfolgung von 1420, schwenkt auch die Wiener Universitätstheologie auf reine Polemik um. Der Sonderstatus des Landes ist vorbei.