Unsere Übersetzung des Klassikers »Shylock Reconsidered« von Joseph Shatzmiller durch Christoph Cluse hat in dem vom Fachportal H-Soz-u-Kult vergebenen Buchpreis »Das historische Buch 2008« den fünften Rang belegt.
»Shylock geht in Revision« teilt sich den fünften Platz mit Israel Yuval, der ebenfalls Autor bei Kliomedia ist.
Joseph Shatzmiller, »Shylock geht in Revision. Juden, Geldleihe und Gesellschaft im Mittelalter. Aus dem Englischen übersetzt von Christoph Cluse«, Trier 2007
kart., 256 S.,150 × 210 mm, 390 g, 4 Abb.
ISBN 978-3-89890-121-5, € 24,90
In Kürze wird die Übersetzung eines weiteren Klassikers zur jüdischen Geschichte erscheinen.
"Bereits 1990 legte Joseph Shatzmiller sein Shylock-Buch in englischer Sprache vor, mit dem er die mittelalterlichen Stereotype vom wucherischen jüdischen Geldverleiher infrage stellte. Der Autor stellt 24 Aussagen eines Prozesses in Marseille aus dem Jahre 1317 in den Mittelpunkt seiner Argumentation, die sämtlich den guten Ruf und das lautere Geschäftsgebaren des jüdischen Geldverleihers Bondavid von Draguignan bezeugen. Shatzmiller nutzt diese Person in eingehender Analyse als Gegenbeispiel zu dem von Kirchenrecht und Volksmund verteufelten Szenario und plädiert vehement für eine stärkere Betrachtung der sozialhistorischen Verankerung derartiger Stereotypen. Die Forschergemeinde begegnete diesem Versuch seinerzeit mit gemischten Reaktionen. Die deutsche Fassung des Buches, die um einen bibliografischen Nachtrag und ein Nachwort des Übersetzers erweitert wurde sowie einen gegenüber der Urfassung korrigierten Dokumentenanhang bietet, schaffte es nun, fast zwei Jahrzehnte später, auf Rang fünf unseres Buchpreises.
Shatzmiller teilt sich diesen Platz mit Israel Jacob Yuval, der sich unter dem Titel „Zwei Völker in einem Leib“ ebenfalls mit der Wahrnehmung der Juden durch ihre christliche Umwelt beschäftigt, jedoch im weit größeren Maßstab der Hostienfrevel- und Ritualmordbeschuldigungen. Auch dieses Buch ist älteren Datums. Es geht im Kern auf einen Aufsatz des Jahres 1993 zurück, der Kontroversen auslöste, die wiederum der Verfasser 1999 in hebräischer, 2006 in englischer und nun auch in deutscher Sprache durch Erweiterung seiner damaligen Argumentation zu bändigen sucht. Dabei geht er von einem dialogischen Grundmuster im Verhältnis beider Religionen aus, das im Titelmotiv der Zwillingsgeburt sichtbar wird. Yuval betont stark den Einfluss des Christentums auf das Judentum, aus dessen Zurückweisung sich die jüdische Identität im Mittelalter speiste.
Zwei Habilitationsschriften und eine Dissertation führen die diesjährige Preisträgerliste an. Das ist ein starkes Indiz für die Klasse der Forschung im Qualifikationsbereich. Mit nicht minderem Grund kann man dieses Ranking als nachdrückliches Plädoyer für das „zweite wissenschaftliche Buch“ lesen, das die dornige via antiqua dem aufstrebenden Forscher abverlangt. So schlecht wie der Ruf der Habilitation sind die aus diesem Verfahren hervorgehenden Schriften ganz offensichtlich nicht."
Den Gesamttext über den Buchpreis ist auf folgender Website: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/index.asp?pn=texte&id=1012